Einleitung

Aktuell:

Von unserer Veranstaltung vom 19. April 2013 sind  nun unter  “Letzte Artikel” die Redetexte incl. Folien, teilweise auch zusätzlich die PowerPoint Präsentation, ein auf der Veranstaltung abgespieltes Audio-File sowie der veröffentlichte Bericht zur Veranstaltung verfügbar.

********       Einleitung      ********

Am 31. Januar 2013  jährte sich zum 80. Mal, dass in Mössingen gewaltsam die Firma Merz stillgelegt wurde und die Beschäftigten gewaltsam aus den Betriebsräumen gejagt wurden.

Bei der Firma Burkhardt wurde dies anschließend ebenfalls versucht aber abgeblasen, nachdem die Gewalttätigen erfahren hatten, dass sie der flammenden Rede eines extra aus Reutlingen angereisten KPD Stadtrates aufgesessen waren. Er hatte ihnen, wider besseren Wissens, verkündet, dass das ganze Land sich im Generalstreik befinden würde.

Paul Gucker (*1912, †1997) hat sich zwar an dem damaligen Demonstrationszug nicht beteiligt, hat jedoch die Geschehnisse als Zuschauer, bis zur Firma Merz, mit eigenen Augen gesehen und erlebt.

Als dann 1982 das Rotbuch 242 mit dem Titel: ”Da ist nirgends nicht gewesen außer hier” herauskam, gab es bei ihm und unter den Mössingern, die den 31.1.1933 selbst bewusst miterlebt hatten, helle Empörung. So „heldenhaft“ und mit so einseitigen Legenden haben sie u.a. die Vorgeschichte, die „Streikabstimmung“ in der Pausa, die gewaltsame Stilllegung der Fa. Merz und den Versuch, dies bei der Fa. Burkhardt zu wiederholen, überhaupt nicht in Erinnerung!

Die Menschen in Mössingen hatten damals die Gewalt von rechts und links miterlebt, sie waren täglich mit ihr konfrontiert. Und sie erinnerten sich, dass sich z.B. die KPD in Mössingen alles andere als defensiv verhielt.

Als sich herumsprach, dass Paul Gucker sein selbst Erlebtes und die Fakten in einem Buch veröffentlichen wollte, kamen viele Mössinger Bürgerinnen und Bürger auf ihn zu und baten ihn, er möge doch auch ihre Erlebnisse in seinem Buch berücksichtigen. Denn auch sie konnten die verstärkten, von außen hereingetragenen Legenden mit ihren eigenen Erlebnissen nicht in Einklang bringen.

Als Zeitzeuge und jahrzehntelanger lokaler Berichterstatter des Reutlinger Generalanzeigers / der Steinlach Zeitung und seinem mehrfachen Engagement in den Mössinger Vereinen hatte er gute Voraussetzungen, um in seinem 1986, unter dem Titel:

Mössingen und der Generalstreik am 31. Januar 1933

Seine Ursachen, seine Folgen und Auswirkungen bis heute.

herausgebrachten Buch die Legendenbildungen zu entzaubern. Er konnte belegen:

  • Dass es in Mössingen gar keinen Generalstreik gegeben hat.
  • Dass es in Mössingen auch keinen demokratisch legitimierten Streik der Pausa-Beschäftigten gegeben haben kann.
  • Dass die Berichterstattung über das Gerichtsverfahren seinen eigenen Erlebnissen und seinen eigenen Recherchen entsprachen.
  • Dass der unbefolgte Massen-/Generalstreik-Aufruf der KPD sich an diesem Tag zwar gegen Hitler richtet, im Aufruf steht aber auch das wirkliche Ziel: “Das Proletariat will nicht Schleicher, noch Brüning, noch Papen und Hitler! Es will die Befreiung seiner Klasse, die Arbeiter- und Bauernrepublik, den Sozialismus!“
  • Dass die Mössinger KPD-Akteure keinesfalls die Weimarer Demokratie retten wollten, denn sie wollten einen Arbeiter- und Bauernstaat nach sowjetischen Muster.

„Weder bei den Kommunisten, noch den Nazis, war die Demokratie gefragt, sie wurde von beiden Seiten verlacht und verspottet.“

(C) Copyright Ernst Gucker 2012 Alle Rechte vorbehalten